Ein Mausklick auf eines der roten Mühlensymbole führt Sie zur Mühlenbeschreibung Tüschenbroicher Ölmühle Tüschenbroicher Mahlmühle Bockenmühle Bischofsmühle Lohmühle Wegberger Mühle Kringsmühle Ophover Mühle Molzmühle Schrofmühle Buschmühle Holtmühle Vollmühle Jennekesmühle Lüttelforster Mühle Pannenmühle Radermühle Brempter Mühle Mühlrather Mühle Borner Mühle Vennmühle Brüggener Mühle Dilborner Mühle Swalmener Mühle

Eine Mühlentour entlang der Schwalm und ihrer Nebenbäche ...

Lüttelforster Mühle Die Geschichte der Mühlen an der Schwalm und ihrer Zuflüsse reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Die Zahl der noch heute im deutschen Schwalmgebiet vorhandenen Mühlen wird mit etwa 40 beziffert, davon allein 22 an der Schwalm. Dies bedeutet einen durch-schnittlichen Abstand zwischen jeder Mühle von etwas weniger als einem "Schwalm"-Kilometer. Diese fast unvorstellbare Mühlendichte verdanken wir dem wasserreichen Schwalmbruch mit seiner extrem gleichbleibenden Wasserführung, der auch in Trockenzeiten genug Wasser an die Räder der Mühlen heranführte. In der Hochzeit des niederrheinischen Flachsanbaus fielen große Mengen an Flachssamen an, die in den Ölschlägen der Schwalmmühlen zu Öl verarbeitet wurden. Die Schwalmmühlen waren also überwiegend Ölmühlen.
Erst mit der Einfuhr der Baumwolle gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging die Blütezeit der Ölmüllerei langsam zuende. Der Flachsanbau wich dem von Kartoffeln und Getreide, worauf viele Mühlen zusätzlich mit einem Getreidemahlgang aus- bzw. umgerüstet wurden. Mit dem Beginn der Industrialisierung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden maschinengetriebene Großmühlen, beispielsweise in Neuss, die den wassergetriebenen in Leistung und Rentabilität teils um das Hundertfache überlegen waren. Hinzu kam die großindustrielle Ölherstellung aus Erdöl, die für die Ölmüllerei das endültige Ende bedeutete. Daraufhin wurden viele Schwalmühlen in Gasthausbetriebe umgewandelt, die teilweise bis in unsere heutige Zeit "überlebt" haben. Ich möchte Sie nun auf der Spur der Zeitzeugen dieser Jahrhunderte währenden und regionprägenden Geschichte begleiten. In meinem bescheidenen kulturlandschaftlichen Beitrag erhebe ich zu keiner Zeit den Anspruch auf Vollständigkeit. Einige der Baudenkmäler, die (noch) nicht erwähnt wurden, sind nicht vergessen worden, sondern werden - sobald es meine Zeit erlaubt - hier ihre Erwähnung finden.
Rad- und Wanderwegsystem
Eine Mühlentour entlang der Schwalm ist immer etwas Besonderes. Vorzugsweise bedient man sich eines Fahrrades als Fortbewegungsmittel. Damit läßt sich in wenigen Stunden eine beachtliche Wegstrecke zurücklegen und dabei die Natur hautnah erleben. Das Rad- und Wanderwegesystem in der Region ist hervorragend ausgebaut und - dank der jüngsten Investitionen unseres Kreises Viersen - ausführlich beschildert, sodaß mühelos eine Tagestour von Wegberg bis Brüggen unternommen werden kann. (dafür an dieser Stelle ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön an unsere Kreisverwaltung Viersen). Zur Wiedererlangung verlorenengegangener Kraftreserven empfiehlt sich die Einkehr in eines der gemütlichen Mühlenrestaurants und Gasthäuser, die uns auf unserer Mühlentour immer wieder begegnen und dem ermüdeten Radtouristen eine willkommene Abwechslung bieten.
Tüschenbroicher Ölmühle
Wir beginnen unsere Mühlentour an der Ölmühle bei Schloss Tüschenbroich ganz in der Nähe der L364 zwischen Wegberg-Watern und Wegberg-Tüschenbroich. Streng genommen ist sie keine Schwalmmühle, da sie nicht vom Wasser der Schwalm, sondern von einem der beiden Weiher gespeist wird. Inmitten dieses Weihers befindet sich eine von Buchen bewachsene ehemalige mitteralterliche Wehranlage (Motte) aus der Zeit um 800, die erstmalig im Jahre 1172 als Stammsitz der Herren von Tüschenbroich urkundlich erwähnt wird. Im 30-jährigen Krieg wurde die ursprüngliche Burg auf der Motte völlig zerstört. Nachdem Freiherr von Spiering im Jahre 1624 das gesamte Anwesen in seinen Besitz brachte, liess er das heutige Schloss errichten, dessen Südturm und ein Teil des Hauptgebäudes am Nikolaustag 1876 durch einen Sturm einstürzten. Der verbliebene Teil erhielt einen neuen Giebel und präsentiert sich seitdem in seiner heutigen Form. Freiherr von Spiering, mit zahlreichen Titeln ausgestattet wie "Herr zu Sevenar, kurfürstlich Pfalz", "Neuburgischer geheimer Rats-Marschall des Fürstentums Jülich", "Kämmerer", "Amtmann von Neuenahr, Sinzig und Remagen", war sehr einflussreich und

<<< Tüschenbroicher Ölmühle

Schloss Tüschenbroich

Tüschenbroicher Schloss mit Ruine des Südturms >>>

mächtig. Ölmühle, Kornmühle und die Ulrichskapelle stammen aus dem 17. Jh. und bildeten zusammen mit dem Schloss über Jahrhunderte den Mittelpunkt der Unterherrschaft Tüschenbroich, die zum Herzogtum Jülich gehörte.

Nachdem die männliche Linie der Spiering im Jahre 1829 ausgestorben war, ging der gesamte Besitz an Ida Natalie von Spiering über, die ihn 1836 an den Justizrat Gormanns in Erkelenz verkaufte. Durch Erbgang wechselten Schloss und Mühle in den Besitz der Familie Jungbluth, deren Nachfahren noch heute die Eigentümer sind. Die Ölmühle verfügte über ein unterschlächtiges Rad und eine Ölpresse, die früher sechs Stunden täglich arbeitete. Ab etwa 1850 wurde der Einsatz aufgrund beträchtlichen Wassermangels halbiert. Im Jahre 1912 wurde der Betrieb unter Pächter Wilhelm Josef Schmitz völlig eingestellt, da kein Flachs mehr angebaut wurde. Noch heute bietet Ölmühle mit ihrem niederrheinischen Fachwerk und dem Rietdach dem Betrachter einen beschaulischen Anblick.

Wir befinden uns auf Wanderroute X10 von Wassenberg nach Krefeld (ausgearbeitet vom Verein Niederrhein e.V.), der wir im weiteren Verlauf unserer Mühlentour zunächst bis Wegberg folgen werden. Nach etwa 500 Metern auf X10 in nordöstlicher Richtung folgend, vorbei an Schloss Tüschenbroich, dass heute privat zu Wohnzwecken genutzt wird, stossen wir auf die Tüschenbroicher Mahlmühle, auch Kohrenmühle (Kornmühle) genannt. Sie ging schon zwei Jahre früher als die Ölmühle, also 1834, in den Besitz des Justizrats Gormanns. Durch das sehr hoch aufgestaute Wasser war es möglich, die Mühle mit einem oberschlächtigen Rad auszustatten, wodurch der Wasserfall etwa 2,50 Meter betrug. Sie ist heute Tüschenbroicher Mahlmühle die einzig verbliebene Schwalmmühle mit einem oberschlächtigen Rad und war ursprünglich mit zwei Mahlgängen ausgerüstet, die allerdings nicht gleichzeitig betrieben werden konnten. Die tägliche Betriebszeit betrug etwa sechs Stunden. Tüschenbroicher Mahlmühle

Die Schlossherren von Tüschenbroich erliessen per Dokument vom 20. Dezember 1628 den "Mühlenzwang" für die umliegenden Bauern. Unter Androhung einer Strafe in Höhe von drei Goldgulden zwangen sie die Bauern, ihr Getreide nur an der Tüschenbroicher "Zwangsmühle" mahlen zu lassen. Dieser Mühlenzwang wurde in der Franzosenzeit zu Beginn des 19. Jh. als ein Relikt der Leibeigenschaft angesehen und aufgehoben. 1877 liess der damalige Eigentümer Jungbluth die hölzerne Arche durch eine heute noch vorhandene steinerne ersetzen. Im Jahre 1940 wurde der Mühlenbetrieb unter dem letzten Pächter, den Gebrüdern Königs, eingestellt. Die Tüschenbroicher Mühle wird häufig als die heutige Schwalmguelle bezeichnet. Von hier aus fliesst die Schwalm in nordnordöstlicher Richtung weiter und erreicht nach gut einem Kilometer die Ortschaft Watern, heute ein Ortsteil von Wegberg. Wie der Name schon verrät, war diese Region schon stets ein wasserreiches Gebiet. Um unser nächstes Zwischenziel zu erreichen, überqueren wir die L364 und setzen unsere Tour über den Mühlenweg in Richtung Wegberg fort. Nach etwa einem Kilometer erreichen wir die Querstrasse "Zur Bockenmühle". Die Mühle liegt von dort nur einen Steinwurf weit.

<<< Tüschenbroicher Mahlmühle (Kohrenmühle) mit oberschlächtigem Rad >>>



An einem idyllisch gelegenen Mühlenweiher in Watern finden wir zunächst einmal die Bockenmühle mit ihrem unterschlächtigen Stahlmühlrad und Holzschaufeln, die ihren Namen dem Besitzer Christian Bocken verdankt, der sie im Jahre 1826 übernahm. Zu dieser Zeit war die Mühle mit ihren zwei Mahlgängen und einer Ölpresse bis zu sechs Stunden täglich ausgelastet. Bei einem Mühlenumbau 1847 wurde die alte Holzarche durch eine Betonarche ersetzt und konnte dann bis zu zehn Stunden täglich in Betrieb Bockenmühle genommen werden. Im Jahr 1864 übernahm die Familie Frings den Mühlenbetrieb, die bis 1914 im Familienbesitz verblieb, bevor sie Heinrich Brocker kaufte. Auch heute noch ist das Mahlwerk in einem recht ordenlichen Zustand, auf dem bis 1960 - allerdings fast ausschliesslich elektrisch - Roggen geschrotet wurde. Im Innern der Mühle befindet sich ein Balken mit der Inschrift: "1769 - G.F.B. + M.C.D." Der Überlieferung nach soll dieser Balken aus der seinerzeit abgebrochenen Roßmühle entstammen, die nur unweit am Roßweiher gestanden hatte. Im Mühlengarten hinter dem Gebäude erinnert ein mächtiges Bockenmühle

<<< Bockenmühle >>>

Steinkreuz mit der Inschrift "Anno 1837" an die Zeit der Familie Bocken. Die Eheleute hatten es aus Dankbarkeit setzen lassen, als ihr Sohn unerwartet als einer der wenigen aus dem Russlandfeldzug unter Napoleon heimkehrte.


Nur fünf Gehminuten von der Bockenmühle entfernt - zurück auf den Mühlenweg und weiter in Richtung Wegberg, treffen wir bereits am nächsten Quersträsschen liegend auf die Bischofsmühle. Man muss schon sehr genau hinschauen, um das vom Zerfall bedrohte Gebäude als ehemalige Mühle ausmachen zu können. Die im Eingangsbereich plazierten Mühlsteine weisen noch am ehesten auf den Standort der Bischofsmühle hin. Ungeklärt ist die Herkunft des Mühlennamens, da die Mühle nie ein bischöfliches Lehen war. Vielmehr erhielt die Bischofsmühle wahrscheinlich ihren Namen von einem der zahlreichen Besitzer bzw. Pächter, wie dies bei vielen anderen Mühlen auch der Fall war. Im Jahre 1572 wurde sie urkundlich "Evertz-Mühle" genannt bis sie 1681 Jelis Camps Bischofsmühle kaufte. Fortan trug die Öl- und Mahlmühle den Namen "Jelisken-Mühle" und später auch "Mettelskes-Mühle". Im Jahre 1826 erwarb Leonhard Maassen die Bischofsmühle, die damals über ein unterschlächtiges Mühlrad und zwei Mahlgänge mit Ölpresse verfügte. Peter Wilhelm Ramachers übernahm die Mühle im Jahre 1853 und tauschte 1859 das unterschlächtige Wasserrad durch ein oberschlächtiges aus. Der heute hoch aufsteigende, bewachsene Kamin weist auf die Zeit zwischen 1882 bis 1908, als die Mühle zusätzlich zur Wasserkraft mit Hilfe eines Dampfkessels angetrieben wurde. Im Jahre 1917 kaufte der bisherige Besitzer der Molzmühle die Bischofsmühle von Ramachers. Heute ist die Bischofsmühle in Privatbesitz und wird zur Zeit zum Zweck der späteren Nutzung als Wohngebäude abgetragen und kernsaniert. Voraussichtler Fertigstellungstermin wird im Jahr 2012 erwartet.

<<< Bischofsmühle

Wir folgen dem Strässchen "Zur Bischofsmühle" bis zur nächsten Kreuzung und biegen rechts auf "In Bissen" ab. Nach etwa einem Kilometer biegen wir wiederum rechts auf die "Klinkumer Strasse" und erreichen nach wenigen Metern die Sackgasse "Zur Lohmühle" im Ortsteil Bissen, in die wir rechts einbiegen und wo wir am Strassenende die erst um 1800 erbaute Lohmühle vorfinden. In der Mühle im damaligen Besitz von Jakob Henrichs mit damals zwei vorgelagerten Weihern wurde anfangs nur Eichenlohe für Gerbereien hergestellt und Knochen Lohmühle gemahlen. Erst unter dem neuen Besitzer, Johann Wilhelm Henrichs, wurde der nicht mehr arbeitende Lohmahlgang durch eine Ölpresse ersetzt. In seiner Genehmigung stellte der Regierungspräsident jedoch die Bedingung, dass die Ölmühle niemals gleichzeitig mit der Knochenstampfmühle betrieben werden dürfe. Im Jahre 1872 übernahm Jakob Gripekoven die Lohmühle und liess 1888 eine steinerne Arche bauen. Nachdem Gripekoven selbst lange Zeit die Mühle mit nur einem Mühlengesellen betrieben hatte, wurde 1942 Heinrich Kaiser der neue Besitzer, der die Mühle von seinem Onkel Hubert Gripekoven übernahm. Während die Speiseölzubereitung 1942 eingestellt werden musste, wurde im darauf folgenden Jahr noch ein moderner Mahlgang wie bei einer Grossmühle eingebaut. Im Jahre 1957 wurde immer noch unter Nutzung der Wasserkraft für die umliegenden Bauern in geringem Umfang gemahlen. Die Bäcker bezogen ihr Mehl allerdings immer häufiger von den Grossmühlen, so dass der Betrieb 1960 endgültig eingestellt werden musste. Bei einem Brand im Lohmühle Jahre 1976 wurde die Lohmühle vernichtet, die Gebäude aber wieder aufgebaut. Seit 1997 ist die Mühle im Besitz der Familie Schopphoven und soll nach deren Plänen in den nächsten Jahren zu einem Wohngebäude restauriert werden. Die ehemaligen Mühleneinrichtungen wie Mühlrad, Mahlgang und Ölpresse sind leider heute nicht mehr vorhanden.

<<< Lohmühle >>>



Wir setzen unseren Weg über die Klinkumer Strasse in Richtung Wegberg fort, überqueren den Grenzlandring und steuern unser nächstes Zwischenziel, die Burgstrasse, über Fußbachstrasse und Venloer Strasse in Richtung Burg Wegberg an. Dort mitten in Wegberg, ein Stück schwalmabwärts hinter der Beeckbachmündung, liegt die Wegberger Mühle. Nachdem sie an die Besitzer der Burg Wegberg verkauft wurde, war ihre Geschichte eng mit dem Schicksal der Burg verknüpft. Zwischen 1560 und 1730 verrichteten nicht weniger als Wegberger Mühle zehn Müller ihr Handwerk an der Mühle, die zeitweise mit drei Mühlrädern, mehreren Mahlgängen und einer Ölpresse ausgestattet war: Müller Johann, Müller Heinen, Wilhelm Lummers, Johann Lambertz, Dietrich Müllers, Johann Verber, Wilhelm Byll, Peter Steffens und Johann Gotzen. Danach wurde die Mühle über fast 100 Jahre in vier Generationen der Familie Josten gepachtet. Im Jahre 1836 verpachtete der Besitzer Graf von Nesselrode die Wegberger Mühle an Peter Schmitz aus dem "Städtchen Gladbach". Dieser führte den Betrieb vorbildlich, was ihm mehrfach der Verwalter Carl Leopold Byll bescheinigte. 1853 wurde die gutgehende Mühle an Wilhelm Schmitz verpachtet. Durch den Rückstau des Wassers vom Mühlwehr versumpften die angrenzenden Grundstücke und wurden ständig überschwemmt, worauf die Gemeinde Wegberg im Jahre 1927 dem neuen Besitzer, Wegberger Mühle Heinrich Ramachers, das Staurecht für 30000 Goldmark abkaufte. Im Ergebnis bedeutete dies trockene Keller für die Gebäude in unmittelbarer Umgebung. Etwa 20 Jahre später entscheidet die Gemeinde Wegberg, den Mühlenweiher zu erhalten und ihn mit dem Wasser des Burggrabens zu speisen, was sich im Nachhinein bis heute als sehr weitsichtig erweisen sollte. Mühlenweiher und umliegender Park sind nämlich heute noch Kleinode und prägen die Wegberger Ortsgestaltung. 1952 war Robert Ramachers der letzte Eigentümer, unter dem die Wegberger Mühle in Betrieb war, bevor sie ihren Mahlbetrieb ganz einstellte. Heute befindet sich in dem ehemaligen Mühlengebäude ein Café namens "Samocca".

<<< Wegberger Mühle mit dem Café "Samocca"



Wir verlassen nun die Wanderroute X10 und machen von der Wegberger Mühle einen kleinen Abstecher bachaufwärts des Beeckbaches in Richtung Wegberg-Beeck, genauer gesagt, wir bewegen uns in südöstliche Richtung an der Stadtverwaltung Wegberg vorbei, über die Beecker Strasse und biegen schliesslich rechts in den Ophover Weg ein, an dessen Ende uns die am Beeckbach gelegene Ophover Mühle mit ihrem vorgelagerten Mühlenweiher erwartet. Seit Oktober 2009 befindet sich dort in dem historischen Gemäuer Dank eines privaten Investors ein Café und Restaurant. Die sehr gut erhaltenen Mahlgänge, die von einem unterschlächtigen Mühlrad angetrieben wurden, verleihen dem Innern der Mühle eine romantische Atmosphäre. Ophover Mühle Der Name der Mühle stammt von dem Geschlecht der "Junker von Ophoven", das in unmittelbarer Nähe seine Hofanlagen hatte. Die Mühle wurde 1627 erwähnt, als Herrmann Hülsen sie verpachtete. Um 1700 war Tewis Vell der Müller an der Ophover Mühle. In seiner Zeit muss ein Umbau oder eine Erweiterung des Mahlgangs stattgefunden haben, worauf eine Inschrift "ANNO 1725" im Gebälk schliessen lässt.
Ophover Mühle >>>

Das Mühlenverzeichnis weist 1826 die Witwe des Johann Wilhelm Menz als Eigentümerin aus. 1836 ist Wilhelm Heinrichs Besitzer, der 1845 die alte Arche durch eine neue ersetzen liess. Im Jahre 1853 ist Johann Wilhelm Ophover Mühle Gripekoven der neue Besitzer, der die Mühle 1857 wahrscheinlich neu errichten liess, da sich über dem Hauseingang ein Stein mit der Inschrift "IWH.-C.EM 1857" befindet. Hermann und Jakob Heinrichs waren 1872 als Eigentümer eingetragen, bevor der eingeheiratete Gerhard Jansen die Mühle im Jahr 1900 übernahm und sowohl mit Wasser- als auch mit Dampfkraft betrieb.

<<< Mahlgänge der Ophover Mühle ANNO 1725

Sein Nachfolger, Johann Prein, fiel im 1. Weltkrieg und seine Witwe heiratete Josef Frenken, der die Mühle für die Kinder Prein betrieb. Anno 1957 war die Ophover Mühle die letzte und einzige, die täglich noch mit Ophover Mühle Wasserkraft betrieben wurde. Selbst das Gemahlene wurde derzeit noch jeden Tag mit Pferd und Mühlenkarre zu den umliegenden Bauern gebracht. Nach Rückkehr ins Wegberger Stadtzentrum schlagen wir unseren Weg in nördliche Richtung ein bis wir im Stadtteil Harbeck den Kringskamp erreichen.

Ophover Mühle >>>

Dort lag eine weitere Schwalmmühle, die Kringsmühle. In einem der letzten Jahre wurde sie abgerissen und wich einem Neubaugebiet (Stand August 2010). Wegen des geringen Wasseraufkommens konnte sie zu ihrer aktiven Zeit nur drei Stunden täglich betrieben werden und war damit die unwirtschaftlichste Mühle an der Schwalm. Die eine Ölpresse reichte nicht einmal aus, um eine Familie zu Kringsmühle ernähren. So war der Müller gezwungen, in erster Linie als Landwirt seinen Lohn zu verdienen. In einem Verzeichnis des uns schon bekannten Freiherrn von Spiering zu Tüschenbroich wurde die Mühle bereits im Jahre 1717 genannt. Früher trug sie den Namen Crintz-Mühle. Theodor Knippertz war der Eigentümer von 1826 bis 1865, danach sein Sohn Heinrich. Die Pächter waren Stefan Oellers, Johann Arnold Schmitz und Karl Jansen. Um 1900 übernahm Hubert Königs die Mühle von Heinrich Knippertz und verkaufte die Ölbecken an den Lohmüller in Bissen. Nach seinem Tode wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Ein Balken in der Mühle trägt die bezeichnende Inschrift: "Anno 1770 den siebten Tag Januaris ist dieses mit Hülfte Gottes aufgerichtet worden! Bauven ist eine schöne Lust! Das es aber viel kostet habe ich nicht ge - wust!"

<<< Kringsmühle (Quelle: "Die Schwalm - Tal der Mühlen" von Horst Jungbluth u. Helmut Elsner)













Einem ähnlichen Schicksal wie dem der Kringsmühle erlag auch die Vollmühle am Oberlauf des Mühlenbaches im heutigen kleinen Mönchengladbacher Ortsteil Gatzweiler. Sie war damit einst die erste von insgesamt fünf Wassermühlen, die am Mühlenbach betrieben wurden und erstmals schon 1468 erwähnt wurde. Das heute noch existierende Gebäude stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts und wird als Vollmühle Vollmühle Wohngebäude und Warenlager für einen Landproduktehandel genutzt. Lediglich einer der ehemaligen Mühlsteine fand einen dauerhaften Platz an einer Hauswand. Die Familie der heutigen Besitzer Küppers übernahmen die Mühle 1944, als schon Mühlrad und Mahlgang "abhanden" gekommen waren.

<<< Vollmühle >>>











Holtmühle Östlich von Wegberg am Mühlenbach erwartet uns die Holtmühle, die heute ganzjährig einen Restaurantbetrieb führt. Sie wurde schon 1397 in einer Steuerrechnung des Rabolt von Brempt, "Drost und Rentmeister von Montfort und Erkelenz", genannt. 1557 beschwerten sich die Beecker, dass der Holtmüller das Wasser zu sehr aufstaute. 1640 gehörten zur Mühle neun Morgen Land. Am 1. Juli 1745 sollte die Holtmühle versteigert werden, doch es fand sich kein einziger Interessent. Im Jahre 1776 wurde der Betrieb zur Mühle mit zwei Mahlgängen umgerüstet, einer zum Mahlen von Brotgetreide und der zweite zur Herstellung von Viehfutter. Einige Jahre später wurde ein weiterer Mahlgang zum Pressen von Öl eingebaut. Im Jahre 1815 kauften Heinrich Symes und Johann Schmitz die Mühle von den Eheleuten Wilhelm Stein und Gertrud Pays. Seit nunmehr fast 200 Jahren ist die Holtmühle im Besitz der Familie Symes. Ursprünglich trieb das Wasserrad ein Holzsägewerk an - daher stammt auch das Wort "Holt" im Namen der Mühle. Als Anfang des 19. Jahrhunderts in Wegberg eine große Ölmühle ihren Betrieb aufnahm, wurde die Arbeit mit der Ölpresse an der Mühle eingestellt. Aber es wurden jährlich bis zu 500 Tonnen Getreide verarbeitet. Um 1900 wurde erstmals in den Mühlengebäuden eine kleine Gastronomie eingerichtet. Die damalige Inhaberin, Urgroßmutter Symes, versorgte ihre Gäste mit belegten Broten und Getränken. Dieses Angebot war bei den Leuten aus dem benachbarten Umland sehr beliebt. Selbst reiche und angesehene Leute aus den Holtmühle Mühlrad Holtmühle umliegenden Städten wie Mönchengladbach und Erkelenz reisten mit ihren Kutschen zur "Brotzeit" an. Das Kahnfahren auf dem Weiher kostete zu dieser Zeit nichts.

<<< Holtmühle >>>

Im Jahr 1919 wurde das Holzmühlrad durch ein heute noch vorhandenes Stahlmühlrad mit fast sechs Metern Durchmesser ersetzt. Es ist damit eines der grössten Wassermühlräder im gesamten Schwalmgebiet. 1952 wurde die gewerbliche Mahlung eingestellt. Lediglich ein Mahlgang für die Produktion von Viehfutter für den Eigenbedarf wurde aufrechterhalten. Aus der stillgelegten Mahlstube wurde Weiher Holtmühle eine Bauernstube, die an einen Gastronomen verpachtet wurde. 1967 wurde auch der letzte Mahlgang stillgelegt. 1969 wurde durch einen Anbau der Restaurationsbereich erweitert, der heute vom jüngsten Sproß der Familie Symes betrieben wird. Eine idyllisch gelegene Anlage mit einem Stauteich und Bootsverleih (Mai bis September) erwartet den müden Wanderer und lädt zu einer erholsamen Rast ein. Wir setzen unsere Tour weiter über die Hospitalstrasse in Richtung Rickelrath bis zur Buschmühle fort.

Stausee Holtmühle >>>


Buschmühle

<<< Buschmühle am Mühlenbach bei Rickelrath

Ein gutes Stück bachabwärts des Mühlenbaches hinter der Einmündung des Bachmanngrabens liegt am Rande der gleichnamigen Ortschaft die Buschmühle. Der Mühlenbach wurde auch hier zum der Mühle vorgelagerten Mühlenweiher aufgestaut. Dies brachte bereits 1556 und 1557 die Anwohner auf, die sich über den schädigenden Wasserstau des Müllers Dedrich (Theodor) auf dem Bosch beschwerten. Auf Grund dieser Überlieferung wissen wir, dass die Mühle schon mindestens seit dem Mühlrad der Buschmühle 16. Jahrhundert existiert. In der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) wurden der Buschmühle neun Gulden Kontribution auferlegt, wogegen sich der damalige Besitzer, Peter Buchs, beim Freiherrn von Spiering beschwerte - ohne Erfolg übrigens. Während der Franzosenzeit (1794 - 1815) nahmen die Franzosen dem damaligen Müller Theis die Buschmühle samt Pferd und Wagen ab. 1822 hiess der Eigentümer der Öl- und Mahlmühle Johann Anton Gripekoven. Die Ölmühle mit Keilpresse hatte anstelle eines Kollerganges sogenannte Stampfer zum Zerkleinern der Ölsaat. Hubert Gripekoven wurde 1869 Eigentümer der Mühle, zu der das Mahlgut teils über eine Stunde weit mittels Einsatz kostspieligen Fuhrwerks zur Mühle herangeschafft werden musste, weil der Mühlenstandort von den nächsten Ortschaften entfernt gelegen war. Im Jahre 1875 erwarb Wilhelm Schmitz die Buschmühle, dessen Buschmühle mit Müh&oumhlenweiher einzige Tochter Josefine die Mühle nach dem Tod ihres Vaters 1893 erbte. Josefine Schmitz heiratete 1910 den Kaufmann Robert Symes, einen Spross der Familie, der die Holtmühle gehörte.

<<< Buschmühle >>>

Nachdem zwischenzeitlich der spätere Besitzer der Molzmühle, Rudolf Gripekoven, die Mühle gepachtet hatte, führte Josefine Symes mit ihrem Sohn den Betrieb noch von 1917 bis 1953 fort. Seit 1946 wurde allerdings mit elektrischer Kraft gearbeitet. Die Buschmühle war die einzige und letzte Mühle bei Wegberg, in der noch nach dem 2. Weltkrieg Öl geschlagen wurde. Im Jahr 2004 wurde das Mühlrad vom Sportanglerverein Wickrath und Umgebung e.V. restauriert. Nicht weit unterhalb der Buschmühle stand im 16. Jahrhundert eine weitere Mühle, die Meismühle. Der Name stammt wohl von Bartholomäus, im Volksmund Bartolomais. Auch hier führten die Beecker Beschwerde gegen das ihrer Meinung nach zu stark aufgestaute Wasser. Schliesslich wurde die Meismühle später abgerissen. An der Buschmühleverlassen wir die Hospitalstrasse und befahren von dort einen Radwanderweg (halbrechts) bis wir in der Nähe der Schrof-Mähle auf die Landstrasse L3 stossen.

Schrof-Mühle Linke Hand von uns erscheint das auffallend leuchtende Weiss der Fassade der als "Hofgeviert" gebauten Schrofmühle, der letzten von ehemals fünf Wassermühlen am Mühlenbach. Sie ist seit mehr als 200 Jahren in Familienbesitz und gehört nicht nur zu den best erhaltenen Wassermühlen, sondern ist die einzige funktionstüchtige Getreide- und Ölmühle des Rheinlandes. Erstmalig findet die Mühle 1558 Erwähnung, später im Jahre 1640 noch einmal im Rentenbuch der Stadt Wegberg, Schrof-Mühle als der Schrofmüller dort sein zehntbares Land an den Pastor Sibenius in Wegberg mit elfeinhalb Morgen und einem Viertel angab. Das Wort "schrof", das der Mühle ihren Namen gibt, stammt wohl aus dem niederdeutschen und bedeutet soviel wie sumpfig, unbegehbar. In einer Karte von Tranchot und v. Müffling (1803-1820) wurde das sumpfige, unzugängliche Bruchgelände zwischen Schrof- und der Molzmühle ebenfalls mit "Schrof" bezeichnet. Von 1710 bis 1725 hiess der Schrofmüller Jakob Warmers. Wilhelm Anton Kamps war bis 1823 Eigentümer der Mühle. Nach seinem Tod übernahmen die Erben Kamps die Eigentumsrechte und verpachteten die Mühle von 1827 bis 1836 an Jakob Gripekoven. Danach betrieben sie selbst die Mühle, die über ein unterschlächtiges Wasserrad, zwei Schrof-Mühle Mahlgänge und einen vom Mühlenbach gespeisten, vorgelagerten Weiher verfügte. Das alles ist heute noch auf dem herrlichen Anwesen vorhanden. Im Jahre 1848 erwarb Johann Arnold Schmitz, der bis dahin die Kringsmühle gepachtet hatte, die Anlage von den Erben der Kamps und beauftragte den bekannten Mühlenbauer Heinen aus Rickelrath mit dem Bau einer Ölpresse und der zwei Mahlgänge, die in der neuen Mühle errichtet werden sollten. Die hölzerne Arche wurde 1871 abgebaut und durch eine massive Betonarche ersetzt. 1900 war Matthias Schmitz Eigentümer, Schrof-Mühle bevor seine Nichte die Mühle im Jahr 1916 erbte. Bei Fundamentarbeiten im Jahre 1934 stellte man fest, dass an der Stelle der jetzigen Mühle vorher schon zwei andere gestanden hatten. Man stiess nämlich bei Ausschachtungen auf zwei Fussböden, die 1,20 Meter übereinander lagen. Der untere Boden lag etwa auf gleicher Höhe mit dem Bachbett. Schrof-Mühle

<<< Ölmahlgang (links)/alter Mühlstein (rechts) der Schrof-Mühle bei Rickelrath >>>

Zu einem tragischen Unfall kam es 1935, als die drei Jahre alte Tochter des damaligen Pächters, Wilhelm Nauß, im Mühlenweiher ertrank. Vor 1848 führte an der Mühle noch keine Brücke über den Mühlenbach, so dass sowohl Fussgänger als auch Fuhrwerke den Bach nassen Fusses durchqueren mussten. 1950 wurde der kommerzielle Betrieb an der Mühle eingestellt. Dank privater Initiative wurde inzwischen eines der beiden Mahlwerke und das Mühlrad wieder instand gesetzt. Seit 2004 kümmert sich der neu gegründete Förder- und Museumsverein Schrofmühle Rickelrath e.V. um die Pflege und Instandhaltung des Kulturdenkmals Schrofmühle. Dank der Arbeit des gemeinnützigen Vereins konnte die Wiederherstellung der ursprünglichen Form des Mühlenanwesens (z.B. der Einbau einer Ölpresse, eines Ofens und eines Rührwerks, die Einrichtung eines Museums) sowie die Nutzbarmachung für die Volks- und Heimatbildung seit 2004 intensiviert und beschleunigt werden. Heute besitzt die Mühle ein Getreidemahlwerk mit zwei funktionstüchtigen Mahlgängen und einem Sackaufzug sowie eine vollständig eingerichtete Ölmühle mit Kollergang, Leinölofen, Rührwerk und Ölpresse (Keilpresse), so dass im Museum Schrofmühle zu Anschauungszwecken wieder gemahlen werden kann. Seit Mai 2009 befindet sich eine Dauerausstellung im Hauptgebäude der Mühle und informiert über die Mühlengeschichte in Wegberg und Umgebung, was neben den Live-Vorführungen in der Mahlstube den Erlebniswert bei einem Mühlenbesuch erheblich erhöhen dürfte. Wir überqueren die Landstraße in Richtung Molzmühle (siehe Hinweisschild). Etwa über einen Kilometer folgen wir der asphaltierten Straße und erreichen nach einem kurvenreichen bergab führenden Abschnitt die Molzmühle.

Die Qualität der Küche mit elsässisch-limburgischen Einflüssen und das herrliche Ambiente der Molzmühle werden weit über die Grenzen der Region hinaus sehr geschätzt. Eine Tischreservierung ist also absolute Pflicht, falls man nicht nur eine kleine Erfrischung zu sich nehmen möchte. Molzmühle Molzmühle

<<< Molzmühle bei Rickelrath >>>

Urkundlich wird die Molzmühle erstmals im Jahre 1627 bezüglich des Baus des Holzkollergangs erwähnt, der damit der älteste erhaltene im gesamten Rheingebiet bis einschließlich der Schweiz ist. Weiterhin belegt ein Pachtbrief aus dem selben Jahr, dass Arnold Molz der Besitzer dieser historischen Mühle war, die noch heute seinen Namen trägt. In einer anderen Urkunde, fast 150 Jahre später bestätigt Kaiserin Maria Theresia von Österreich dem Kreuzherrenkloster von Wegberg unter anderem den Besitz einer Wassermühle mit 20 Morgen Land an der Schwalm nächst Rickelrath. Ab 1820 ist die Geschichte der Molzmühle fast lückenlos zu rekonstruieren. Sie verfügte über ein unterschlächtiges Wasserrad. Unterlagen aus dem Jahre 1853 besagen, dass der Mahlgang täglich 16 Stunden in Betrieb war, die Ölpresse dagegen nur 6 Stunden arbeitete. 1930 wurde der Mahlbetrieb endgültig eingestellt. Die Anfänge der gastronomischen Geschichte gehen auf eine Milchwirtschaft im Jahre 1923 zurück. Nach dem Erwerb der Mühle restaurierten die jetzigen Betreiber die Bausubstanz Stück für Stück bis zum heutigen Tage und viele Aufgaben liegen noch vor ihnen. Begonnen wurde 1982 mit dem Kernstück und gleichzeitigen Juwel der Mühle - der Mahlstube. Diese wurde seit 1930 nicht mehr genutzt und war seither völlig dem Verfall preisgegeben. Am 4. August 1984 konnte der restaurierte Mühlraum der Öffentlichkeit vorgestellt und der gastronomischen Nutzung übergeben werden. Die Molzmühle beherbergt ebenso ein kleines Hotel mit einem Dutzend individuell und sehr gemütlich eingerichteter Zimmer.

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Reetdach in Schwaam
Nachdem wir uns an der Molzmühle etwas gestärkt und erholt und in der Mühle umgeschaut haben, setzen wir unsere Mühlentour der ursprünglichen Richtung folgend fort. Bevor wir das nächste Etappenziel erreichen, die Jennekesmühle, haben wir eine größere, "mühlenfreie" Teilstrecke von etwa dreieinhalb Kilometer zurückzulegen - sozusagen eine Verbindungsetappe. Reetdach in Schwaam

<<< Reetgedeckte Häuser in Schwaam >>>

Wir überqueren dabei nach wenigen Metern die Schwalm und folgen dem Verlauf der asphaltierten Straße durch den Schwaamer Bruch. Er wird uns in die kleine Ortschaft Schwaam führen, wo wir die einzigen reetgedeckten Häuser dieser Region vorfinden. Vorbei am urigen Gastlokal "Timmermanns" und Haus Jüppen durchqueren wir das idyllische Reet-Dorf - wir befinden uns übrigens jetzt auf Fernradwanderweg R16 - und biegen knapp hinter dem Ortsende halbrechts in einen seit kurzem (2009/2010) neu anglegten und gut befestigten Rad- und Fussweg ein, der den rechts von uns liegenden Bruchwald säumt. Am Ende stossen wir schliesslich auf eine asphaltierte Querstrasse (Verbindung zwischen Lüttelforst und Meerbeck). Dort geht es rechts ab bis an die Schwalm (ca. 400 m). Hier verlassen wir die R16, die uns durch den Ort Lüttelforst führen würde. Stattdessen wählen wir den "grünen" Weg direkt am Ufer der Schwalm Reetdach in Schwaam entlang, wo wir mit etwas Glück den Eisvogel oder ein Nutria beobachten können. Wir befinden uns nun auf einem der am schönsten befahrbaren Schwalmabschnitte direkt zwischen Schwalm-Bruchwald, dem ehemaligen Bett der Schwalm, und dem linken Schwalmufer, dessen Bett in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts über eine Länge von etwa drei Kilometern neu ausgegraben bzw. das alte Schwalmbett begradigt wurde. Ökologisch gesehen war dies nicht unbedingt eine Meisterleistung des Menschen! Zu unserer Rechten sehen wir, etwas erhöht, die Bebauung des Waldhufendorfs Lüttelforst, die sich hinter ihren tiefen, bis an die Schwalm reichenden Gartenflächen dies- und jenseits der Lüttelforster Dorfstrasse anschmiegt. Nachdem wir auch die Lüttelforster Pfarrkirche St. Jakobus, auf der höchsten Erhebung Lüttelforsts liegend, hinter uns gelassen haben, nähern wir uns unserer nächsten Mühlenstation.

<<< Reetdachkate in Schwaam


An der nächsten Schwalmbrücke liegt zu unserer Linken etwas versteckt im Bruchwald die Jennekesmühle, deren alter, ursprünglicher Name Mühlenhof war. Die Mühle entstammt wahrscheinlich der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Jennekesmühle und verfügte über ein Ölschlagwerk, einen Koller- und einen Mahlgang, die von zwei unterschlächtigen Mühlrädern angetrieben wurden. Die Mühle, die lange Zeit neben der Papelter Mühle und dem Herbertzhof zum Besitz der Familie Mühlenweg gehörte, ging nach dem Tod des kinderlos gebliebenen Johann Arnold nach jahrelangem Rechtsstreit an die Eheleute Johann Mathias Herbertz und Anna Maria Zufahrt zur Jennekesmühle geborene Mühlenweg (1782). Der im Volksmund gebräuchliche Name "Jennekes- oder Gennekesmühle" läßt vermuten, daß die Mühle längere Zeit von der alteingesessenen Müllerfamilie Jennekes bewirtschaftet wurde. 1872 erwarb Peter Matthias Gerards die Mühle von Gölden, nach dem sie auch zeitweilig "Göldenmühle" genannt worden war.

<<< Jennekesmühle

Als Gerards 1895 starb, hinterließ er neun Kinder, die die Jennekesmühle und 60 Morgen Land unter sich aufteilten. Schließlich wurde die Mühle um die Wende ins 20. Jahrhundert an van Schayk verkauft, der 1905 den Ölschlag und ein Mühlrad abbrechen ließ. Nach Beendigung des ersten Weltkriegs wurde der Betrieb der Jennekesmühle auf eine Feilenschleiferei umgestellt. Infolge der Schwalmbegradigung im Jahre 1928 wurde der Mühle die antreibende Wasserkraft entzogen und sie mußte ihren Betrieb vollends einstellen. Ein Relikt aus der Mühlenhochzeit - ein alter, originaler Mühlstein - ziert den Eingangsbereich der jetzt als Wohnhaus genutzten und inzwischen von den heutigen Besitzern mit viel Aufwand, Liebe und Geschmack restaurierten Anlage, die übrigens ihren alten Namen "Mühlenhof" zurückerhalten hat.


Weg zur Jennekesmühle über die Schwalm >>>


Nach etwa einem halben Kilometer schwalmabwärts erreichen wir, an der L371 gelegen, die Lüttelforster Mühle. Die hier ehemals stark aufgestaute Schwalm liess das Wasser zu einem stattlichen Lüttelforster Muehle Weiher anwachsen, so dass noch im letzten Jahrhundert an dieser Stelle der Betrieb einer Badeanstalt und das Befahren des Gewässers mit einem Kahn möglich war. Heute wird der Lauf der Schwalm durch eine Lüttelforster Muehle betonierte Arche verengt und das Wasser mit erhöhter Fliessgeschwindigkeit dem einzigen verbliebenen Mühlrad zugeführt. Die Mühle, die schon vor 1300 genannt wurde und damals zum Waldnieler Rittersitz der Bocholtz gehörte, besass ursprünglich zwei Mühlräder. 1591 wurde der Besitz aufgeteilt und die Mühle sowie der nahegelegene Dahlhof gingen an Sibert von Bocholtz, verpachtet an einen Peter von Lüttelforst.

<<< Lüttelforster Mühle - alter Mahlgang >>>

Nach der Hochzeit einer der Töchter Sibert von Bocholtz's mit Ernst Albert von Ingenhoven war die Mühle fortan im Besitz der Familie von Ingenhoven und wurde 1763 an einen Matthias Jetten verpachtet. Seit 1825 war Josef Gabriel Wassenberg der Pächter der Lüttelforster Mühle, dessen Sohn Konrad sie dann 1868 von dem Kölner Kaufmann Gustav von Mevissen kaufte. Der Mühlenbetrieb wurde bis zum zweiten Lüttelforster Muehle Weltkrieg aufrechterhalten. Die Lüttelforster Mühle behielt als eine der letzten Schwalmmühlen ihr Staurecht bis 1953. Danach wurde die Mühle in ein Ausflugslokal umgewandelt, das noch heute als beliebtes Ausflugsziel aufgesucht wird. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten unter neuem Besitzer, die Lüttelforster Muehle

<<< Lüttelforster Mühle nach der Restaurierung >>>

etwa zwei Jahre in Anspruch genommen haben, öffnete die Lüttelforster Mühle, die nun auch liebevoll "Lü" genannt wird, am Vatertag 2007 erneut  ihre Pforten. Im Herbst/Winter 2008 legte der Schwalmverband eine Fischtreppe nach dem Vorbild der Brüggener Mühle an. Auch weiterhin wird die "Lü" für eine Überraschung gut sein, denn schon ab Frühjahr 2011 darf dann noch mit der Erweiterung in Form eines Landhotels gerechnet werden.

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Etwa zwei Kilometer weiter schwalmabwärts vor den Toren Niederkrüchtens treffen wir auf die größte Schwalmmühle, die Pannenmühle. Der Pannenmüller verfügte derzeit über vier Keilpressen und konnte acht Doppelzentner Ölsaat in 16-stündiger Arbeit herstellen. Das "Spansch Hüske" (spanisches Häuschen) in Fachwerkbauweise stammt aus dem 17. Jahrhundert Pannenmühle bei Niederkrüchten und war das frühere Zollhaus an der Grenze zwischen den spanischen Niederlanden und dem Herzogtum Jülich. Die heutigen Niederlande waren in der Zeit von 1543-1793 Teil des spanischen Königreiches. Das Ziegelwohnhaus der Pannenmühle wurde 1806 vom Müller Toerschen gebaut, dessen Schwiegersohn Eberhard Botz die Mühle 1847 auf vier Keilpressen, zwei Kollergänge und ein Rührwerk erweitern ließ. 1873 fügte er noch zwei Mahlgänge für Roggen und Weizen hinzu. 1882 kaufte Friedrich August Gotzes die Pannenmühle von dem in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Botz, stellte den Mahlbetrieb allerdings schon acht Jahre später ein. Ab 1913 wurde die Pannenmühle als Sommerwirtschaft mit einer Badeanstalt ausgewiesen. Daher war Müller Gotzes bei allen Pannenmühle bei Niederkrüchten als der "Badewirt" bekannt. Ein Badevergnügen der besonderen Art versprach das "Reiten auf dem Mühlrad", wobei von der Arche aus das laufende Rad bestiegen wurde und nach einer halben Umdrehung auf dem Rad in den Kolk hinter dem Mühlrad gesprungen wurde.

<<< Pannenmühle bei Niederkrüchten >>>

Der Kolk ist eine teichähnliche Vertiefung, die durch Ausspülung des Gewässergrundes vom ständig herabstürzenden Wasser hervorgerufen wird. Das Wasser hinter dem Mühlrad sammelte sich damals in einem großen See, der, wie schon erwähnt, dem Badebetrieb diente und bis zur nächsten Mühle reichte. Noch heute sind die verlandeten Überreste des sogenannten Raderveekes zu erkennen, wobei wir auch schon bei der nächsten Mühle, der Radermühle, angelangt wären.


Radermuehle

<<< Radermühle bei Niederkrüchten

Die Radermühle bei Niederkrüchten, erstmals im Jahre 1311 urkundlich erwähnt, besteht mit ihren heutigen Grundrissen und Gemäuern seit ca. 1750. Diese historische Anlage im couvenschen Baustil - einem vereinfachten Rokokostil - weist auf seinen (Wieder-)Erbauer, dem Aachener Baumeister Johann Joseph Couven (1701-1763). Die Mühle, die zeitweise auch Rather-Mühle hiess, war einerseits Radermuehle Innenhof herzogliches Eigentum und wurde in Erbpacht vergeben, andererseits war die Mühle zur "Bannmühle" (auch Zwangsmühle) erklärt, in der alle Lüttelforster und Bewohner von Burgwaldniel, die ihren Wohnsitz bis zur Waldnieler Kirche hatten, mahlen lassen mussten. Eine Urkunde des Herzogs von Jülich erwähnt die Radermühle als "Bannmühle" und belegt Bewohner innerhalb der "Bannmeile" mit empfindlichen Geldstrafen, die ihrer Pflicht nicht nachkamen in der Radermühle mahlen zu lassen. Radermuehle Innenhof

<<< Blick in den Innenhof >>>

Im Jahre 1598 wurde die Radermühle nach Abriss des alten Gebäudes im kunstvollen Barockstil neu aufgebaut. Die Mühle verfügte ursprünglich über zwei Mühlräder, die eine Keilpresse und Mahlwerke antrieben. Leider lassen heute zwei unrestaurierte Mühlradwellen kaum vermuten, dass hier einmal Getreide gemahlen und Flachs geschlagen wurde. 2007 wurde in der Mühle während der Sommermonate ein Café & Restaurant eröffnet, der Betrieb aber im selben Jahr wieder eingesstellt.






Wir "schwimmen" weiter schwalmabwärts, vorbei an Raderveekes Bruch, und gelangen zur Brempter Mühle, die erstmals 1537 in der Heberolle der Krüchtener Erbzinsgüter ihre Erwähnung findet und zur Burg Brempt der Grafen von Byland-Rheydt und später der Grafen Hoensbroich gehörte. Von der Burg ist ausser einigen Mauerresten nichts mehr erhalten. Die Burgkapelle St. Georg und die Burgmühle gibt es noch. Die am unteren Ende des Brempter Sees gelegene Mühle verfügte im 19. Jh. über zwei unterschlächtige Mühlräder, die zwei Ölpressen und drei Mahlgänge antrieben. Brempter See Brempter Mühle

<<< Hier bildet die aufgestaute Schwalm den Brempter See

Im 19. Jahrhundert wurde hier ausschließlich unter der "Müllerdynastie" Wallrafen Mehl gemahlen. Der letzte Müller der Wallrafens, auch bekannt als "Et Mehl", stellte den gesamten Mahlbetrieb um 1900 ein. Danach wurde in der Brempter Mühle über etwa 80 Jahre eine Gastronomie betrieben, bevor das Mühlengebäude 1989 umfassend renoviert wurde und seitdem bis heute als Wohngebäude genutzt wird. Das Mühlrad ruht und dient heute nur noch der Erhaltung des Mühlencharakters.

Die Brempter Mühle >>>



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Am nordöstlichen Otrsrand von Brempt speist die Schwalm mit ihrem Wasser den Hariksee, dem einzig verbliebenen Gewässer im Schwalmverlauf, das bis heute aufgrund seiner ausreichenden Wassertiefe das Befahren mit motorgetriebenen Booten zuläßt. Der Hariksee mit seinem Inselschlößchen gilt schon seit Jahrzehnten als das Touristenziel dieser Region. Hariksee

<<< Der Hariksee

Der Hariksee ist ein El Dorado nicht nur für Angler und Wassersportfreunde. Er ist eines der beliebtesten Naherholungsgebiete dieser Region überhaupt. Inselschlößchen

Das Inselschlößchen >>>

2002 völlig niedergebrannt, erstrahlt es heute wieder in neuem "alten" Glanz, nachdem es im Jahre 2003 wieder aufgebaut wurde. Zusätzlich wurde an seiner Seite ein Pavillon angebaut, der ein Ausflugsrestaurant beherrbergt. Im Aussenbereich lädt ein grosser Biergarten zum angenehmen Verweilen mit Seeblick ein.



Motorschiff Patschel

<<< Touristenattraktion: Motorschiff "Patschel"

- Der Patschel, benannt nach dem letzten Fischotter am See, verkehrt auf der Nord-Süd-Achse des Hariksees als schnellste Verbindung zwischen dem reizenden Inselschlößchen und der Mühlrather Mühle.

Die Mühlrather Mühle, urkundlich erstmals 1447 erwähnt, gehörte zu dieser Zeit einer Katharina von Müllradt, woher auch wohl der Name der Mühle stammt. Mühlrad der Mühlrather MühleDa die Mühle ein Lehen des Hauses Clee in Waldniel war, sind die meisten der ehemaligen Besitzer bestens bekannt. So wurde die Mühle unter anderem an Kornelius von Loevenich (1495), Wilhelm von den Eicken (um 1514), Dietrich von Holthausen (1565), Johann Dietrich von Hompesch (1693), Adriana Helena Witwe von Utenhoven (1733), Ernst Josef Wilhelm von Hompesch (1761) und Sigismund Anton von Roth (um 1800) belehnt. Weitere Besitzer waren Karl Ludwig von Roth (1842), Franz Wilhelm Eduard Rosbach und Georg Bartholomäus Eduard Rosbach (ab 1885), sowie die Kommerzienräte Ferdinand Bartels und Josef Kaiser (ab 1911). Im Jahre 1590 wurde die Mühle von Werner von Ketzgen neu erstellt und unter dem Namen "Mulrader Meulen" eingetragen. Um 1850 erbaute ein Pächter namens Vetten ein Wohnhaus an. Um 1900 kaufte Wentges die Mühle und verpachtete sie an die Gebrüder Gisbertz. Lennartz aus Orsbeck heiratete die einzige Schwester der Gebrüder Restaurant Mühlrather Mühle

<<< Mühlrather Mühle


Gisbertz und übernahm nun die Mühle. Zu dieser Zeit wurde in der Mühle noch Öl geschlagen und Mehl gemahlen. Durch die neue Entwicklung von Walzenölmühlen wurde das Schlagen des Öls immer unrentabler. Müller Lennartz, der selbst das Zimmerei-Handwerk erlernt hatte, baute die Ölmühle zum Sägewerk um, wozu 1905 ein Wasserrad aus Eisen zum Antreiben der Gatter angefertigt wurde. Dazu richtete er noch eine kleine Gaststätte ein. Nach dem Tode von Lennartz übernahmen seine Kinder den Betrieb, verkauften ihn aber bald wieder aus Erbschaftsgründen. Wie bereits oben erwähnt, erwarb Kommerzienrat Josef Kaiser (Kaffee-Kaiser aus Viersen) die Mühle und verpachtete sie 1936 an Sanders, der sie im Jahre 1950, kurz vor dem Tod von Josef Kaiser, kaufte. Er hatte 1937 die inzwischen unwirtschaftlich gewordene Mehlmühle und 1964 das Sägewerk in ein Restaurant umbauen lassen. Beim Abbau der Mehlmühle fand man auf einem großen Holzzahnrad die Jahreszahl 1822. Das deutet darauf hin, daß die heutige Mühle, die früher am Mühlgraben gestanden hatte, um 1822 an ihrem jetztigen Platz erbaut worden sein muß. Die Mühlrather Mühle  ist heute die einzige Mühle des Schwalmgebiets, bei der noch zwei Wasserräder erhalten sind. Allerdings sind die Antriebswellen entfernt. Eines der Räder treibt einen Stromgenerator an, der das Wohnhaus mit Strom versorgt. Mit den im Jahresmittel produzierten ca. 3 kw/h wird zwar nur eine gewisse Grundlast abgedeckt oder zeitweise ein kleiner Überschuss ins Netz gespeist, doch hat der Betreiber aber immerhin die Gewissheit, die vorhandene Energie zumindest teileise zu nutzen.
Restaurant Borner Mühle
Leider bewegt sich das Mühlrad der Borner Mühle nur noch im "Simulationsmodus" - die Welle, die einst das Mahlwerk antrieb, ist nicht mehr vorhanden. Dennoch übt das sich drehende unterschlächtige Wasserrad eine gewisse Faszination aus. Der bekannte Spruch "Müllers Mühlen mahlen langsam" kann hier eindrucksvoll nachempfunden werden. Wie viele andere Schwalmmühlen stellte auch die Borner Mühle Anfang des 20. Jahrhunderts auf Gastronomiebetrieb um. Während der Sommermonate lädt heute ein uriger Biergarten zur Einkehr ein. Mühlrad der Borner Mühle

<<< Borner Mühle >>>

Im Innern des historischen Gemäuers bietet ganzjährig ein gepflegter Gastronomiebetrieb die Gelegenheit zur Bewirtung von Rad- und Wandertouristen und vielköpfigen Gesellschaften. Darüberhinaus hält die Borner Mühle  zwei Tagungsräume und einige schöne Hotelzimmer bereit. Ein Besuch der am westlichen Ortsrand von Born - zur Gemeinde Brüggen gehörend - in wunderschöner Landschaft gelegegenen Wassermühle wird sich lohnen.


Als nächste Station auf unserer Mühlenroute steuern wir die geschichtlich sehr interessante Brüggener Mühle oder auch Burgmühle an. Sie gehörte stets zur Burg und wurde erstmalig am 24. Dezember 1289 urkundlich erwähnt, als Walram von Kessel, zu jener Zeit Probst zu Münster und Herr von Hengebach, sein frei vererbliches Grundeigentum in Brüggen dem Herzog Johann III. von Lothringen, Limburg und Brabant als Lehen übergab. Aus der Hand Johanns von Brabant gingen Mühle und Burg dann in den Besitz der Grafen von Jülich, die ursprünglich von der Burg Heimbach in der Nordeifel stammten. 1393 wurde dann Jülich durch Wilhelm III. mit Geldern vereinigt. Mühlrad der Brüggener Mühle Für die Besitzer Brüggens folgten hitzige Fehden und jahrelange Kämpfe, die 1473 ihren Höhepunkt fanden. Auf seinem Zug nach Neuss besetzte Karl der Kühne von Burgund das Amt Brüggen. Die Burg wurde erstürmt und ausgeraubt. Die Brüggener Mühle verbrannte bei den Kämpfen, wurde aber wieder aufgebaut. Auch im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) war Brüggen immer wieder Kriegsschauplatz oder Durchzugsgebiet fremder Truppen. Obendrein wurden in dieser Zeit, nämlich zwischen 1635 und 1637, die Brüggener von der Pest heimgesucht, wobei zwei Drittel der Bevölkerung der Seuche erlag. Im 18. Jahrhundert mussten die Menschen um die Brüggener Burg wiederum Belagerung und Okkupation während des spanischen (1701 - 1713) und österreichischen Erbfolgekrieges (1741 - 1748) ertragen. Eingang zur Brüggener Mühle

<<< Brüggener Mühle >>>

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Brüggener Mühle auf den alten Brüggener Befestigungsmauern neu errichtet, also dort wo sie heute steht. Nach der Franzosenzeit (1794 - 1815) ging die Brüggener Mühle am 24. Mai 1815 in den Besitz von Heinrich Printzen aus Amern St. Georg über. Bis 1955 wurde in der Brüggener Mühle, die ursprünglich zwei Wasserräder führte und über eine Ölpresse und einen Mahlgang verfügte, noch gemahlen, bevor sie 1959 restauriert wurde und bis heute als Gasthof und Restaurant dient. Im Juni 1982 wurde das alte Mühlrad durch ein verzinktes ersetzt, welches einen Generator zur Stromgewinnung für den Eigenbdarf antreibt. Seit 2007 wird kurz vor dem Mühlrad ein Teil des Schwalmwassers zur Speisung einer sogenannten Fischtreppe abgezweigt. Die Fischtreppe, die auf Initiative des Schwalmverbandes angelegt wurde, ermöglicht den Fischen, das durchs Mühlrad gegebene Hindernis vor allem stromaufwärts zu umschwimmen.


Von der Brüggener Mühle folgen wir den Wegweisern zu Schloss Dilborn. Etwa einen Kilometer hinter Schloss Dilborn im Dilborner Wald erreichen wir kurz vor dem Nordzipfel der Ortschaft Overhetfeld die zugleich letzte Schwalmmühle auf deutschem Gebiet, die Dilborner Mühle. Sie beherrbergt heute auf ihren umliegenden Flächen einen Campingplatz. Das Dilborner Mühle Mühlengebäude in massiver, zweigeschossiger Ziegelsteinbauweise ist ein Vertreter des jüngeren Mühlenhaustyps, das sehr aufwendig restauriert wurde und heute als privates Wohngebäude dient. Zunächst hält man vergebens Ausschau nach dem Mühlrad. Dieses verbirgt sich nämlich hinter einer Doppellade, die man von aussen öffnen kann. Beim Blick ins Radhaus sieht man auch sehr schön das Wasser durchs Haus fliessen. Dilborner Mühle

<<< Dilborner Mühle >>>

Es ist das einzige Mühlrad aller Schwalmmühlen, das sich im Innern des Mühlengebäudes befindet. Der Clou dieser aussergewöhnlichen Innenlage bestand darin, dass der Müller die Mühle bis in den Winter hinein in Betrieb halten konnte. Dazu war allerdings einiger Aufwand nötig. Zum einen musste das Eis auf dem zugefrorenen Mühlenweiher ständig mit einer langen Stange in möglichst kleine Schollen zerstossen werden und zum anderen musste vor den Einlauf ins Wasserradhaus ein Eisenkorb mit glühenden Kohlen gehängt werden. Die Glut im Korb schmolz die Eisschollen so weit, dass sie das Mühlrad nicht beschädigten. Offenbar war der Aufwand durch die längere Auslastung der Mühle gerechtfertigt. Im 19. Jahrhundert gehörten Schloss und Mühle zum Besitz des Grafen von Schaesberg. Leider ging sämtliches Urkundenmaterial über Schloss und Mühle Dilborn bei einem Brand des Schlosses Krickenbeck im Jahr 1911 verloren. Die Dilborner Mühle befindet sich nun schon lange im Besitz der Familie van de Weyer, die ursprünglich im 17. Jahrhundert Haus Wigelter bei Bingelrade (Ort in der niederländischen Provinz Limburg) besass. 1778 heiratete Laurentius van de Weyer Maria Magdalena Delport. Ihr gemeinsamer Sohn, Theodorus Henricus, heiratete 1817 die aus der Etzenrather Mühle in Gangelt stammende Maria Cornelia Bischoffs. Einer ihrer Söhne, Nikolaus Josef, heiratete Anna Meenz aus Schinveld und zog mit ihr zur Dilborner Mühle, die damals noch zum Schloss gehörte. Wilhelm, einer ihrer Söhne, übernahm vom Vater, Nikolaus Josef, Beruf und Mühle. Von Wilhelm übernahm dessen ältester Sohn Otto Karl die Mühle, der 1949 an der zeitweilig stillgelegten Mühle einen Campingplatz anlegte. Nach 1950 wurde noch kurze Zeit mit einem Elektromotor weitergemahlen.

Kurz hinter der Dilborner Mühle lag früher die Bockler Mühle. In alten Karten aus dem 19. Jahrhundert ist sie noch als Bockmühl verzeichnet. Mühle oder Überreste davon existieren leider nicht mehr. Hinter der Bockler Mühle ist die Schwalm auf eine Länge von etwa acht Kilometern "mühlenfrei". Grund dafür mag besonders das sumpfige Gelände sein, dessen Reste noch huete im landschaftlich reizvollen Elmpter Bruch zu finden sind. Nachdem die Schwalm die deutsch-niederländische Grenze passiert hat, erreicht das Mühlenflüsschen den Ort Swalmener Watermolen Swalmen, dem es auch seinen Namen gab. Hier lagen früher noch drei Mühlen, von denen heute nur noch die letzte erhalten ist, die Swalmener Watermolen. Wir befinden uns im Zentrum von Swalmen nahe der Swalmener Kirche und bewegen uns zwischen Kirche und Stadt-Bibliothek auf die Schwalm zu. Sobald der Swalmener Watermolen

<<< Swalmener Watermolen >>>

Blick frei wird, erkennen wir in halbrechter Lage ein relativ unscheinbares Gebäude, vor dessen Eingangsbereich drei gelbe Tanks montiert sind. Die Mühle wurde im "Ankerjaartal" 1789 an der Molenstraat gebaut ist der Nachfolgebau der seit dem 17. Jahrhundert an gleicher Stelle abgerissenen Kornmahlmühle. Ursprünglich mit zwei Wasserrädern ausgerüstet trieb sie eine Getreide- und eine Ölmühle an, in der Raps zu Öl verarbeitet wurde. Die Mühle war früher im Besitz der gräflichen Familie Wolff Metternich. Ihre Wasserräder wurden im 2. Weltkrieg durch Granaten zerstört. Daher konnte sie nur bis 1945 betrieben werden. Der letzte "Molenbaas" war Lei Vallen. 1953 wurde die Swalmener Mühle zum Wohngebäude umgebaut.

Quellennachweis:
1) "Die Schwalm - Tal der Mühlen" von Horst Jungbluth u. Helmut Elsner, herausgegeben 1990 vom Verlag Ecken GmbH, eine sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, die mehr über die Mühlen an der Schwalm und ihren Zuflüssen erfahren möchten.
2) "Niederrheinischer Wassermühlen-Führer" von Hans Vogt, herausgegeben 1998 vom Verein Niederrhein e.V., ein umfassendes und kurzweiliges Portrait von 470 Wassermühlen am Niederrhein mit zahlreichen SW-Fotos, Skizzen und Zeichnungen auf fast 600 Seiten.

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