Weinzeit ...

 
Apfelblüte im Schwalmtal

Weinzeit ist nicht etwa ein neu entdeckter prähistorischer Abschnitt, sondern die Zeit des Jahres, in der aus frischem, reifem Obst die wundersame Metamorphose zu einem edlen Tropfen beginnt - vorausgesetzt, man macht alles richtig.

Das Geheimnis der Wandlung liegt in der chemischen Umsetzung des Fruchtzuckers in Alkohol durch Hefekulturen. Grundsätzlich sind alle zuckerhaltigen Früchte zur Weinbereitung geeignet, diejenigen mit hohem Saftanteil sind jedoch zu bevorzugen, da andererseits durch Zugabe von Wasser "aufgebessert" werden muss. Das Rezept ist also simpel: Frucht plus Hefe gleich Wein!!

Fruchtstand im Sommer

Bevor wir das Endprodukt genussvoll verköstigen können, sind erst einmal schweisstreibende Arbeit und viel Geduld gefragt. Ebenso sind auf grösste Sorgfalt und Sauberkeit zu achten. Dies wird hoffentlich unser Beispiel häuslicher Weinbereitung deutlich belegen. Als Ausgangsfrucht haben wir einen unbehandelten Apfel (roter Boskop) aus eigenem Garten gewählt.

ca. 30 kg roter Boskop

Für einen Gäransatz von etwa 13-14 Litern Apfelmost in einem 15 Liter Gärballon (ein Gärgefäss darf maximal bis 80-90 % seines Volumens gefüllt sein) benötigen wir etwa 30 kg Äpfel. Die Äpfel werden mit hartem Wasserstrahl von Verschmutzungen und eventuellen Wildhefen gereinigt. Das sollte bei unbehandelten Früchten ausreichen. Dann geben wir die Äpfel in die Obstmühle. Das vorherige Zerteilen der Früchte in Hälften oder gar Viertel erleichert ungemein die anstehende Mahlarbeit.

Zerteilen der Früchte

Handbetriebene Obstmuehle mit Mahlgut

Der Mahlvorgang

Nachdem das Pressfass ausreichend gefüllt ist, wird die Obstmühle entfernt und die Spindel über das Fass geneigt und arretiert. Mit dem Drehen der Spindel beginnt der eigentliche Pressvorgang. Der so gewonnene reine Apfelsaft läuft durch eine Öffnung am Boden der Presse in ein Auffanggefäss, das eine Volumenskala aufweisen sollte. Die Kenntnis über die genaue Saftmenge ist bei den Vorbereitungen zum Gäransatz von grosser Bedeutung. Mahl- und Pressvorgang werden entsprechend oft wiederholt bis die gewünschte Obstmenge verarbeitet bzw. das angestrebte Mostvolumen erreicht ist. Je nach Fassungsvermögen der benutzten Presse müssen die ausgepressten Früchte (Trester) immer wieder aus dem Pressfass entfernt werden. Die Benutzung eines sogenannten Presssacks, der vor jedem Mahlvorgang in den Holzbottich eingelegt wird, minimiert diesen Aufwand erheblich.

Der Pressvorgang

Reiner Apfelmost im Messbehälter

Nun wird der Most über einen Siebtrichter in den Gärballon dekantiert. Die Füllmenge sollte 80-90 % des Ballonvolumens nicht überschreiten, da ansonsten je nach Aktivität der späteren Gärung die Gefahr des Überschäumens besteht. Nach Abschluss des Füllvorgangs wird die ermittelte Saftmenge notiert und der Gärballon mit einem Stopfen aus Korkeiche oder Gummi verschlossen.

Dekantierung in den Gärballon

15-Liter-Gärballon

Bevor wir uns dem gemütlicheren Teil der Weinbereitung zuwenden, reinigen wir das gesamte Arbeitsgerät, damit wir beim Start in die nächste Saison keine unliebsamen Überraschungen in Form von angeschimmelten Gerätschaften erleben. Das Säubern von Holzmaterialien der Spindelpresse und Presssack wird mit hartem Wasserstrahl durchgeführt. Nachdem das Werkzeug gut getrocknet ist, kann es problemlos in einem trockenen und luftigen Raum gelagert werden.

Fortsetzung folgt ...